Während unserer kurzen, aber gründlichen Probefahrt wurde überdeutlich, dass der neue Clio ein tolles Auto ist. Doch die Frage bleibt: Ist er ein großartiger Clio?
Grundpreis (Clio 6 evolution TCe 115): 19.490 €
Preis des Testfahrzeugs (Clio 6 esprit Alpine Vollhybrid E-Tech 160): 29.490 €
Der Renault Clio bedarf in Slowenien wohl keiner Vorstellung, verdient sie aber aufgrund seines legendären Status allemal. Seit er 1990 den Kult-Fünfer ablöste, hat sich dieser kompakte Franzose vom einfachen Stadtauto zur wahren Ikone unserer Straßen entwickelt und galt viele Jahre als unangefochtener Verkaufsschlager. Über fünf Generationen hinweg haben wir mit ihm in den unterschiedlichsten Rollen Erinnerungen gesammelt: Für manche war er ein preisgünstiges erstes Auto, für andere ein treuer und sparsamer Familienbegleiter und für wieder andere ein wildes Wochenendspielzeug in der RS-Version, von der wir heute nur noch träumen können. Heute, in seiner sechsten Generation, präsentiert der Clio nicht nur eine Design-Weiterentwicklung, sondern beweist auch, dass die Klassiker in einer SUV-besessenen Welt noch lange nicht aus der Mode gekommen sind.
Und in der sechsten Generation erfuhr der Clio eine seiner größten Design-Wechsel. Waren die vierte und fünfte Generation noch recht ähnlich, präsentiert sich die sechste völlig anders. So anders, dass viele sie kaum noch als Clio erkennen würden – zum einen aufgrund des Designs selbst, zum anderen wegen ihrer veränderten Abmessungen. Der Clio ist bewusst um 7 cm (4,12 m) in der Länge und um 4 cm (1,77 m) in der Breite gewachsen und ist damit sogar größer als der Megane der zweiten Generation. Vom Design her wirkt der Clio selbst in der Basisausstattung recht dynamisch und kraftvoll. Das Ausstattungspaket Esprit Alpine, mit dem auch unser Testwagen ausgestattet ist, umfasst zusätzlich betonte Seitenschweller, 18-Zoll-Räder und blaue Akzente am nun sechseckigen Kühlergrill. Auch die neue Seitenansicht ist interessant und wirkt deutlich maskuliner als beim bisherigen Clio. Wenn wir nach hinten gehen, entdecken wir neue Rückleuchten, die mit etwas Fantasie denen des Chevrolet Camaro der fünften Generation ähneln.






Während des Tests beeindruckte uns vor allem der Innenraum, der einen großen Fortschritt darstellt. Das Armaturenbrettdesign ähnelt stark dem der elektrischen Vier- und Fünfzylinder, bietet aber gleichzeitig eigene Details, wie die Lüftungsdüsen, die aussehen, als wären sie aus überhitztem Titan gefertigt (was sie natürlich nicht sind), und die magnetische, klappbare Abdeckung der Mittelkonsole, die uns etwas irritiert. Wie bei Renaults neuen Elektro-Nostalgikern basiert das 25,7 Zentimeter (10,1 Zoll) große Zentraldisplay auf Google-Diensten, die einwandfrei und vorbildlich funktionieren; die Benutzeroberfläche ist übersichtlich und der Bildschirm reagiert schnell. Auch das 25,4 Zentimeter (10 Zoll) große Informationsdisplay des Fahrers ist gut anpassbar und übersichtlich, reagiert aber gelegentlich etwas träge. Das Esprit Alpine-Paket umfasst die bereits erwähnten interessanten Lüftungsdüsen, sportlichere Sitze und diverse Alcantara-Accessoires, die den Innenraum in ein fast sportliches Ambiente verwandeln. Die verwendeten Materialien und die Verarbeitungsqualität des neuen Clio liegen definitiv über dem Klassendurchschnitt.
Dass der Clio in nahezu jeder Hinsicht gewachsen ist, werden auch die Passagiere im Fond spüren. Zugegeben, es ist immer noch nicht übermäßig geräumig, schließlich sprechen wir von einem Clio, aber ein normalgroßer Erwachsener findet dort problemlos Platz. Der Kofferraum fasst nun bis zu 391 Liter Gepäck, 90 Liter mehr als die Hybridversion der vorherigen Generation.










Der getestete Clio wurde von einem völlig neuen Hybridantrieb namens Full Hybrid E-Tech 160 angetrieben. Dieser besteht aus einem 1,8-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor, zwei Elektromotoren (einer für den Antrieb, der andere als Hochvolt-Startergenerator) und einer Batterie mit einer Kapazität von 1,4 kWh. Die Kraftübertragung auf die Vorderräder erfolgt über ein sogenanntes Multimode-Automatikgetriebe mit vier Gängen für den Verbrennungsmotor und zwei weiteren für den Elektromotor. Das klingt extrem komplex und ist es, wie jedes moderne Hybridsystem, auch. Aber keine Sorge – das Fahrverhalten unterscheidet sich nicht von dem eines Autos mit klassischem Automatikgetriebe. Der Fahrer spürt lediglich, dass sich das Auto dank der Systemleistung von 160 PS mehr als ordentlich bewegt, obwohl man sich bei dynamischer Fahrweise gelegentlich einen höheren Gang wünschen würde. Da der Vierzylinder leiser läuft als der Dreizylinder, ist der Wechsel zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor kaum wahrnehmbar, und die Geräuschkulisse des Verbrennungsmotors ist unaufdringlich. Trotz des kleinen Akkus fahren Sie im Stadtverkehr im Modus B (Bremse) etwa drei Viertel der Zeit völlig geräuschlos, und außerhalb geschlossener Ortschaften können Sie mit einer rein elektrischen Fahrt von knapp der Hälfte der Zeit rechnen. Am interessantesten ist jedoch der Verbrauch: Während unserer Testfahrten verbrauchte der Clio lediglich 4.2 Liter Benzin auf 100 Kilometer – ein durchaus beeindruckender Wert. Vor allem, wenn man bedenkt, dass unsere Fahrweise nicht besonders sparsam, sondern völlig normal war.
Und wie fährt sich der neue Clio? Müsste ich es mit einem Wort beschreiben, würde ich sagen: souverän. Souverän, weil er sich hinter dem Steuer souverän und sicher anfühlt. Tatsächlich wirkt er beim Fahren etwas größer, als er ist, ohne dabei klobig oder ungelenk zu wirken – im Gegenteil, er ist berechenbar und agil. Das Fahrwerk ist eine positive Überraschung: Es ist straffer geworden, was bedeutet, dass sich die Karosserie in Kurven weniger neigt und der Wagen die Spur besser hält. Allerdings ist er aufgrund des relativ großen Frontmotors immer noch etwas untersteuernd. Der Komfort hat jedoch nicht (allzu) stark gelitten, da der Clio kleinere, kurze Unebenheiten problemlos meistert. Nur größere Fahrbahnunebenheiten werden etwas direkter weitergegeben. Die Lenkung ist ebenfalls angenehm, sie hat genau das richtige Gewicht und ist direkt genug. Das Lenkrad liegt zudem gut in der Hand. Lediglich geübte Fahrer werden sich daran stören, dass die Lenkung etwas wenig Rückmeldung gibt.





Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ist der neue Clio auch ein großartiger Clio? Meine Antwort lautet: Ja, aber es gibt ein Hindernis – den Preis. Für das Basismodell ohne Rabatte zahlt man knapp 20.000 Euro, und für einen solchen Hybrid mit umfangreicher Ausstattung sind es noch einmal 10.000 Euro mehr. Wir alle erinnern uns an die Werbung, dass der Clio alles hat, was die Großen haben, und das stimmt auch heute noch. Ob er seinen hohen Preis rechtfertigt, wird der Markt zeigen. Bis dahin bleibt festzuhalten, dass Renault mit der sechsten Generation die Karten im hart umkämpften Segment der Kompaktwagen neu gemischt hat.














Der Fahrzeugtest wurde durch das Unternehmen ermöglicht

