VW Polo Classic (1995–2001): Kann man dieses Auto lieben?

Ob Opel Corsa TR, VW Derby oder Renault Symbol: Kleinwagen mit verlängertem Kofferraum gelten oft als ästhetisch wenig ansprechend. Ganz klar: Je länger die klassische Limousine, desto eleganter wirkt sie. Man schaue sich nur den alten Jaguar XJ an. Mit gut vier Metern Länge ist das Gegenteil der Fall. Der Kofferraum wirkt wie ein Rucksack.

Dies galt insbesondere für kleine und kompakte VW-Modelle mit dreieckigem Heck. Ob Derby oder Vento: Das Heck lag stets oberhalb der unteren Fensterlinie. Wolfsburg beharrte lange auf diesem Design. Auch heute noch gibt es einen Polo mit dreieckigem Heck, das Modell Virtus, der jedoch nur noch für Märkte wie Brasilien bestimmt ist.

Vor 30 Jahren war das anders. Der Polo Classic, der seit Oktober 1995 als Limousine erhältlich war und 4,14 Meter lang war, wurde in Spanien produziert und basierte auf der größeren Plattform des Seat Cordoba. Dadurch bot er nicht nur mehr Platz im Innenraum, sondern auch unter der Motorhaube: So konnte ein neuer 1,9-Liter-Turbodiesel mit 90 PS verbaut werden. Alternativ war er mit einem 1,4-Liter-Motor (60 PS) und einem 1,6-Liter-Aggregat mit 75 oder 100 PS erhältlich. Sparsame Käufer konnten sich für einen 64 PS starken Dieselmotor entscheiden. Beschleunigung: 16,7 Sekunden.

Während der Seat auch als Zweitürer erhältlich war, beschränkte sich VW auf vier Türen. Und im Gegensatz zum üblichen Polo mit seinen auffälligen 90er-Jahre-Farben wie „Pistazie“ (inklusive Harlekin) setzte man hier auf gedeckte Töne. Dunkelblau, Dunkelgrün, die einzige modische Ausnahme war „Elektronikgrün Metallic“. Die Zielgruppe war klar definiert: Ohne es offen auszusprechen, zielte man auf ältere Kunden mit einer Vorliebe für Limousinen ab. Jene, die vielleicht noch einen Derby besaßen, denen der Vento aber zu groß war.

Trotz allem: Für die Limousine gab es einen speziellen Katalog, 52 Seiten dick. Junge Aktivisten ohne Sprachkenntnisse könnten darin auf das Komfortpaket „Negro“ stoßen. Zur Erklärung: Das bedeutet auf Spanisch „schwarz“, was die Farbe der Polsterung erklärt. Und der Polo Classic war schließlich halb spanisch. Natürlich hob die Broschüre den enormen Kofferraum hervor: 455 Liter, bei umgeklappter Rückbank sogar 762 Liter. Außerdem wurden die Verzinkung einiger Karosserieteile, inklusive Unterfahrschutz, und die serienmäßigen Airbags für Fahrer und Beifahrer betont.

Zitate vom Mai 1996: „Sportlimousine“ und „Fahrspaß pur“. VW meinte es ernst. Man fragt sich fast, warum es keinen Polo Classic GTI gab. Wobei: Der 100 PS starke Motor (140 Nm bei 3.500 U/min) war auch nicht langsam, nicht zuletzt dank des geringen Leergewichts von nur 1.080 Kilogramm: 10,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 7,3 Sekunden von 0 auf 80 km/h. Diese Version kostete stolze 28.450 Mark, gut 2.000 Mark mehr als der reguläre Polo 16V mit 100 PS. Für 200 Mark mehr gab es auch einen Golf 1.6 mit der gleichen Leistung.

Heute fristet der Polo Classic ein völlig unbeachtetes Dasein. Der bereits viel verbreitetere Polo 6N mit seinem steilen Heck stößt kaum auf Interesse, und am Classic interessiert sich niemand. Dabei sind diese Autos für Rentner mit kleinem Budget durchaus attraktiv. Ich wette, in 15 Jahren wird der Polo Classic für Aufsehen sorgen.

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