Verge TS: Das erste Elektromotorrad mit einer soliden Batterie

Festkörperbatterien gelten als die Zukunft der Elektromobilität. Nun ist diese Technologie erstmals für ein Serienmotorrad verfügbar. Die Verge TS Pro wird ab sofort mit einer Festkörperbatterie von Donut Lab ausgestattet. Dadurch verkürzt sich die Ladezeit auf zehn Minuten und die Reichweite erhöht sich auf bis zu 595 km. Die ersten Exemplare werden voraussichtlich in den kommenden Monaten ausgeliefert.

All dies wurde auf der CES in Las Vegas präsentiert. Bereits im letzten Jahr sorgte der finnische Spezialist Verge Motorcycles auf der CES mit seinem Modell Verge TS mit achsenlosem Hinterrad für großes Aufsehen. Nun will das Unternehmen das Motorrad mit einer echten Festkörperbatterie (All-Solid-State-Batterie, ASSB) ausstatten, wie Firmenchef Marko Lehtimäki im folgenden Video erklärt:

Festkörperbatterien sollten theoretisch die größten Probleme heutiger Lithium-Ionen-Batterien lösen, doch laut Lehtismäki gibt es bisher kein Serienfahrzeug mit einer solchen Batterie. Verge will das ändern. Das System umfasst neben der Batterie auch die zugehörige Elektronik, ein Temperaturmanagementsystem und Software.

Die Energiedichte soll mit 400 Wattstunden pro Kilogramm sehr hoch sein. Laut einer Pressemitteilung von Donut Labs bezieht sich dies auf die gesamte Batterie, nicht auf die einzelnen Zellen. Die Ladezeit ist kurz – die Batterie kann in nur fünf Minuten von 0 auf 100 Prozent geladen werden. Zudem soll die Anzahl der Ladezyklen praktisch unbegrenzt sein: 100.000 Zyklen sind möglich. Bei einer Reichweite von 600 km würde dies rechnerisch für 60 Millionen Kilometer reichen. Zum Vergleich: Heutige Batterien haben eine Energiedichte von etwa 250 bis 300 Wh/kg und erreichen zwischen 1.000 und 5.000 Ladezyklen.

Darüber hinaus sollen die Kosten niedrig sein – sogar niedriger als bei heutigen Flüssigelektrolytbatterien. Die benötigten Materialien sollen zudem überall verfügbar sein. Die Batterie soll für alle denkbaren Anwendungen geeignet sein, von Zweirädern und Autos bis hin zu stationären Energiespeichern, Drohnen und Robotern. Lehtismäki ist besonders stolz darauf, dass die Batterie bereits serienreif ist. Das erste Fahrzeug, das damit ausgestattet wird, ist der Verge TS.

Die Verge TS Pro bewies bereits 2025 ihre Reichweite von 350 km ohne Nachladen. Im November präsentierte das Unternehmen auf der EICMA in Mailand den Nachfolger, der unter anderem mit einem verbesserten Motor ausgestattet ist. Doch Verge hält noch ein Geheimnis: Das Motorrad erhält ein ASSB von Donut Lab. Dies gilt für alle neuen TS Pro-Modelle. Die Ladezeit verkürzt sich von 35 auf unter 10 Minuten. Sie wurde sogar künstlich verlängert, sodass man noch Zeit für einen Cappuccino hat. Neben der Version mit 350 km Reichweite gibt es auch eine Langstreckenversion mit bis zu 600 km. Beide sollen die gesamte Lebensdauer des Motorrads überdauern.

Es gibt keine Einschränkungen beim Laden: Häufiges Schnellladen schadet dem Akku nicht, solange er auf 100 Prozent und mehr geladen wird. Auch extreme Temperaturen sollten den Zellen nichts anhaben. Selbst bei -30 Grad oder +100 Grad sollte der Akku noch 99 Prozent seiner Speicherkapazität aufweisen. Darüber hinaus sind die Zellen selbst im beschädigten Zustand nicht brennbar.

Watt-Elektroplattform

Und wie sieht es mit Elektroautos aus? Auch sie sollen bald mit der ASSB von Donut Lab ausgestattet werden. Zu den ersten Fahrzeugen, die damit ausgestattet werden, gehören voraussichtlich die von Watt Electrics. Gemeinsam können sie eine Plattform entwickeln, die sowohl mit der Donut-Batterie als auch mit den Donut-Motoren ausgestattet wird. Diese Plattform soll auch anderen Herstellern angeboten werden. Darüber hinaus wird ein batteriebetriebener Anhänger von Cova Power ebenfalls die neue Batterie erhalten (Unternehmenswebsite).

Die neue TS Verge Pro verfügt über einen 50 Prozent leichteren, ringförmigen Motor bei gleicher Leistung und gleichem Drehmoment. Das Motorrad soll in nur 3,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Der neue Akku soll die Reichweite innerhalb von zehn Minuten um 300 Kilometer erhöhen.

Die Preise bleiben unverändert. Laut Konfigurator kostet die Version mit 350 km Reichweite 36.581 Euro, die Version mit 600 km Reichweite ist 3.000 Euro teurer. Sie können bereits jetzt bestellen und 100 Euro anzahlen; der Restbetrag ist vor Produktionsbeginn fällig. Die voraussichtliche Auslieferung ist für Januar 2026 geplant. Laut einer Pressemitteilung von Donut Lab soll auch die TS Ultra (Konfigurator) ein neues ASSB erhalten. Dieses Modell bietet ebenfalls eine Reichweite von bis zu 600 km, die Auslieferung ist jedoch für das zweite Quartal geplant, und der Preis liegt bei 54.431 Euro.   

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