Dacia Bigster als Wohnmobil: eine 33.000 Euro teure Alternative zum California-Modell

Ein Wohnmobil für unter 40.000 Euro – basierend auf einem SUV für rund 26.000 Euro? Auf den ersten Blick klingt das nach Wunschdenken. Doch mit dem ARB-Schubladensystem, der ausziehbaren Küche und dem Dachzelt lässt sich der Dacia Bigster technisch genauso gut ausstatten.

Der Bigster ist eigentlich ein vernünftiger SUV. Viel Platz, hohe Dachlast, keine Abenteuergeschichten. Doch mit 4,60 Metern Länge, bis zu 1.800 Litern Ladevolumen und 80 Kilogramm dynamischer Dachlast bietet er mehr Campingmöglichkeiten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Nicht die Motoren oder die Ausstattung sind ausschlaggebend, sondern Platz und Gewicht. Und genau da wird es interessant.

Jede Version des Bigster eignet sich als Basis. Das Leergewicht liegt je nach Ausführung bei rund 1.500 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht bei rund 2.300 Kilogramm. Das entspricht einer Zuladung von etwa 750 Kilogramm. Ein guter Ausgangspunkt für einen kompakten Overland-Umbau – insbesondere in dieser Fahrzeugklasse.

Kernstück des Konzepts ist das ARB-Schubladensystem RD1045. Zwei robuste, kugelgelagerte Schubladen mit je bis zu 150 Kilogramm Tragkraft. Tiefe: 1045 Millimeter, Höhe: ca. 285 Millimeter. Das System selbst wiegt ca. 85 Kilogramm und ist fest im Fahrzeugboden verankert. Es handelt sich nicht um provisorische Campingausrüstung, sondern um eine fest verschraubte Lösung mit klar definierten Tragfähigkeiten.

Die ARB Wagon Slide Kitchen kann darauf montiert werden. Abmessungen: 1.045 x 500 x 310 Millimeter. Das Modul lässt sich komplett nach hinten herausziehen. Ein Dreiflammenkocher mit einer Gesamtleistung von ca. 6 kW und eine Edelstahlspüle mit einem Fassungsvermögen von sieben Litern sind eingebaut. Das Modul wiegt ca. 45 Kilogramm. Das ARB Esperance 2 wird im Szenario auf dem Dach montiert. Das feste Dachzelt wiegt ca. 57 Kilogramm und bleibt somit unter der zulässigen Dachlast. Das Bett misst ca. 2000 x 1400 Millimeter. Eine Matratze, LED-Beleuchtung und USB-Anschlüsse sind inklusive. Es handelt sich nicht um ein Luxusprodukt, sondern um ein vollwertiges Bett mit klarer Funktion.

Rechnet man das Stausystem, die Küche und das Dachzelt zusammen, ergibt sich ein zusätzliches Gewicht von rund 187 Kilogramm. Zwei Erwachsene mit je 75 Kilogramm und ein Kind mit 30 Kilogramm bringen weitere 180 Kilogramm auf die Waage. Insgesamt bedeutet das ein zusätzliches Gewicht von rund 367 Kilogramm. Selbst mit Wasser, Gepäck und Campingausrüstung bleibt rechnerisch noch genügend Spielraum. Die Installation liegt innerhalb des zulässigen Gesamtgewichts – vorausgesetzt, die Montage erfolgt fachgerecht. Natürlich benötigt die fest installierte Ausrüstung Stauraum. Statt 667 Litern Gepäckraumvolumen bleiben über den Staufächern schätzungsweise noch 250 Liter übrig.

Der Preis für das Drawer-, Slide-Kitchen- und Esperance-2-System liegt insgesamt bei etwa 6.400 bis 7.000 Euro. Darin enthalten sind auch der Dachträger, die Montage und gegebenenfalls die Zulassung. Zusammen mit dem Bigster, der rund 26.000 Euro kostet, ergibt sich ein realistisches Gesamtbudget zwischen 33.000 und 35.000 Euro. Damit liegt das Konzept deutlich unterhalb klassischer Offroad-Camper oder ausgebauter Kastenwagen. Selbst mit Zusatzausstattung bleibt der Preis unter 40.000 Euro. Genau darin liegt sein Reiz: ein technisch ausgereifter, budgetfreundlicher Overlander auf SUV-Basis.

Mit dem Dacia Sleep Pack lässt sich der Bigster in wenigen Minuten in einen Mini-Camper verwandeln – allerdings ohne Einbauküche oder Schubladen. Wer es schlicht mag, wird dabei bleiben. ARBs Ansatz ist gewissermaßen eine logische Weiterentwicklung: mehr Gewicht, mehr Technik, mehr Autarkie. Bisher war alles nur eine sorgfältig durchdachte Idee. Die Bilder veranschaulichen das Konzept, die Basisdaten stammen vom Hersteller. Wer rund 7000 Euro in Schubladen, eine Küche und ein Dachzelt investiert, bewegt sich nicht in einer Fantasiewelt, sondern in einer Welt der technischen Machbarkeit.

Ob das Fahrzeug eher ein Expeditionsmobil oder ein durchdachtes Wochenendcampingfahrzeug ist, hängt vom Verwendungszweck ab. Rein mathematisch betrachtet funktioniert das Konzept erstaunlich gut. Und vielleicht ist dies die interessanteste Erkenntnis: Man braucht keinen 70.000 Euro teuren Transporter, um ernsthaft über Reisen nachzudenken. Wer es klassisch mag, entscheidet sich weiterhin für einen Kastenwagen: Ein stabiles Hochdach, wie es beispielsweise das neueste Nugget-Modell bietet, ermöglicht Stehhöhe und Komfort im Alltag. Projekte wie das Rhön Camp New Ultimate treiben die Entwicklung kompakter Reisemobile mit modernen Energie- und Dachlösungen konsequent voran.

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