Lamborghini LM 002 (1986–1993): Verrücktes Geländefahrzeug

Heute haben sogar Ferrari und Rolls-Royce SUVs im Angebot. Vor 40 Jahren war das anders. Der Begriff SUV existierte damals noch nicht; es gab lediglich Geländewagen. Darunter befanden sich auch einige elegantere Modelle wie der Range Rover oder die Mercedes G-Klasse. Doch vor 40 Jahren dominierte ein Fahrzeug alle anderen.

Der Lamborghini LM 002 wurde zwischen 1986 und 1992 produziert und gilt als eines der ungewöhnlichsten Fahrzeuge in der Geschichte der Marke. Er wurde als Hochleistungs-Geländewagen mit luxuriöser Ausstattung und Supersportwagen-Technologie entwickelt. Je nach Quelle wurden insgesamt 300 oder 301 Exemplare gefertigt.

Der LM 002 wird von einem 5,2-Liter-V12-Motor aus dem Lamborghini Countach angetrieben. Je nach Version leistet er bis zu 444 PS (335 kW), spätere Versionen sogar 455 PS. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 210 km/h angegeben, andere Messungen sprechen von 223 km/h. Trotz eines Leergewichts von rund 2700 Kilogramm beschleunigt der LM 002 in 8,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und gilt seit Jahren als schnellstes Geländefahrzeug der Welt.

Die Ursprünge des Fahrzeugs reichen bis in die späten 70er-Jahre zurück, als das amerikanische Unternehmen Mobility Technology International Lamborghini mit der Entwicklung eines militärischen Geländewagens als möglichen Nachfolger des Jeep für die US-Armee beauftragte. 1977 wurde ein Prototyp des Cheetah mit einem Chrysler-V8-Motor entwickelt. In Vergleichstests in der kalifornischen Wüste unterlag das Fahrzeug jedoch dem späteren HMMWV von AM General. Der Prototyp wurde zerstört und das Projekt vorerst eingestellt.

Nach der Übernahme von Lamborghini durch Patrick Mimran im Jahr 1980 wurde die Idee eines Geländewagens wieder aufgegriffen. Lamborghini sah vor allem im Nahen Osten Marktchancen. 1981 wurde der Prototyp LM001 mit einem 5,7-Liter-V8-Motor von American Motors gebaut. 1982 folgte das Modell LMA, das auf dem Genfer Autosalon präsentiert wurde und erstmals den V12-Motor des Countach LP 500 S nutzte. Dieser leistete 276 kW (375 PS). 1986 begann schließlich die Serienproduktion des LM 002.

Der LM 002 nutzt die Technologie des Countach in modifizierter Form. Der V12-Motor ist längs im Vorderwagen um 180 Grad gedreht eingebaut, um Platz für einen Allradantrieb mit Mitteldifferenzial und Untersetzungsgetriebe zu schaffen. Die Leistung des 5,2-Liter-Motors wurde im Vergleich zum Supersportwagen um etwa 20 PS reduziert, um den Betrieb mit Kraftstoff geringerer Qualität zu ermöglichen. Wie der Countach basiert auch der LM 002 auf einem Rohrrahmen – eine Neuheit für Geländewagen jener Zeit. Diese Konstruktion ermöglicht sportwagenähnliche Fahrleistungen bei gleichzeitig hoher Geländegängigkeit.

Optisch unterscheidet sich der LM 002 deutlich von modernen Geländewagen. Seine Karosserie wirkt robust und massiv. 1987 bezeichnete die Zeitschrift Auto Motor und Sport sein Design als „brutal“ und sprach von einer „barbarisch gestalteten Wüstenlimousine“. Mit einer Höhe von rund 1,85 Metern und einer Breite von über zwei Metern zählt der LM 002 zu den größten Fahrzeugen seiner Klasse, obwohl Modelle wie der Hummer H1 oder der Chevrolet Suburban noch größere Abmessungen aufweisen.

Statt eines klassischen Kofferraums verfügt der LM 002 über eine kleine Ladefläche, die als Gepäckraum genutzt werden kann. Der Innenraum ist hochwertig, wirkt aber trotz der Breite im vorderen Bereich aufgrund der massiven Mittelkonsole beengt. Im Fond befinden sich lediglich zwei Sitze.

Der LM 002 wurde zunächst mit Vergasern, später mit Einspritzung gefertigt. Äußerlich unterscheiden sich beide Versionen durch eine markante Wölbung auf der Motorabdeckung, die bei den Vergasermodellen stärker ausgeprägt ist. Neben den Serienfahrzeugen entstanden mehrere Sonderversionen. Ein Exemplar erhielt einen 7,2-Liter-V12-Motor mit rund 700 PS aus der Schifffahrtsindustrie. Das zweite Fahrzeug wurde unter der Aufsicht des Rallye-Weltmeisters Sandro Munari für lange Wüstenrennen vorbereitet. Der LM 002 nahm an der „Rallye des Pharaohs“ und ein Jahr später an der Rallye Paris-Dakar teil.

Der LM 002 erlangte besondere Berühmtheit durch seine prominenten Besitzer, darunter der König von Marokko, der das erste ausgelieferte Fahrzeug entgegennahm, und der Schauspieler Sylvester Stallone. Dies brachte ihm den Spitznamen „Rambo-Lambo“ ein. Der LM 002 ist definitiv nicht billig: Lamborghini verlangte 1986 rund 220.000 Deutsche Mark dafür. Damals hätte man für diesen Preis zwei Mercedes 500 SEC kaufen können. Wer sich den LM 002 leisten kann, braucht sich jedoch keine Sorgen um den Verbrauch zu machen: Der Lambo verbraucht mit seinem 169-Liter-Tank zwischen 26 und 42 Liter auf 100 Kilometer. Der geplante LM 003 mit einem 3,0-Liter-Turbodieselmotor wurde bereits in der Planungsphase verworfen.

Doch es gibt immer noch mehr zu tun: 1989 baute der Turiner Karosseriebauer Salvatore Diomante für den Sultan von Brunei ein einzigartiges Fahrzeug mit verlängertem Kastenwagenaufbau und zehn Sitzen. Die letzten sechzig LM 002 sind eine Sonderedition namens „LM/American“, die exklusiv in den Vereinigten Staaten verkauft wird.

Der LM 002, der erstmals 1992 auf der Detroit Auto Show vorgestellt wurde, zeichnete sich durch leichte OZ-Felgen, Chromstoßstangen, eine spezielle Innenausstattung sowie diverse Embleme und Zierelemente aus. Während seiner siebenjährigen Produktionszeit begründete der LM 002 das Segment der luxuriösen Hochleistungs-SUVs und gilt als spiritueller Vorgänger des heutigen Lamborghini Urus.

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