TEST: Geely Starray EM-i MAX: Stein auf Stein ist ein Palast

Brücken zu bauen ist nicht einfach – im Gegenteil, es ist eine große technische Herausforderung. Noch komplexer wird es, wenn wir eine Brücke zwischen Benzin und Elektrizität schlagen wollen. Aber ist Geely das erste Projekt gelungen?

Grundpreis: 38.990 €
Preis des Testfahrzeugs: 39.710 €

+Aussehen,

+hoher Komfort

+Geräumigkeit,

+sehr repräsentatives, geräumiges und hochwertiges Interieur

+kombinierte Reichweite,

+Aufladung mit Gleichstrom (DC),

+Batteriemanagementoption

+Kamerasystem,

+umfangreiche Ausstattung

+erhält zumindest einige physische Schalter,

+großes Panorama-Schiebedach,

-unzureichend direkter Lenkmechanismus,

-Ansprechverhalten beim Starten,

-Assistenzsysteme,

-Steuerung über Bildschirm,

-Einstellung der Energierückgewinnung

-fehlender Fahrmodus B (Rake)

Es ist soweit – der erste „Chinese“ wurde getestet! Und was lässt sich darüber sagen? Eine ganze Menge. Fangen wir mit dem Exterieur an. Der Starray EM-i, der außer dem Namen praktisch nichts mit dem Benzin-Starray gemein hat, ist ein 4,74 Meter langer, 1,9 Meter breiter und 1,69 Meter hoher SUV, der in seiner Größe mit Kompakt-SUVs wie dem Volkswagen Tiguan, Hyundai Tucson, Jaecoo 7, MG HS und ähnlichen Modellen konkurriert. Während chinesische Autos oft für ihr extravagantes Äußeres bekannt sind, ist der Starray EM-i das genaue Gegenteil: Mit seinem eher zurückhaltenden Design wird er Minimalismus-Fans begeistern, ohne dabei auf der Straße zu übersehen. Geely erhielt für das Design des neuen Starray EM-i außerdem vier Designpreise, darunter den renommierten Red Dot Award – ein weiterer Beweis dafür, dass weniger manchmal mehr ist. Eine weitere Beobachtung aus dem Test: Ich wurde den Eindruck nicht los, dass mich das Heck stark an den Porsche Cayenne erinnerte. Zufall? Wohl kaum. Dennoch finde ich den Starray EM-i ein wirklich schönes Auto – besonders in der Farbe Jungle Green, in der auch unser Testwagen lackiert war.

Während das Äußere für chinesische Automobile etwas ungewöhnlich anmutet, bildet der Innenraum einen starken Kontrast. Das ist natürlich nicht unbedingt schlecht, denn der Komfort ist extrem hoch, die verwendeten Materialien fühlen sich angenehm an und die Verarbeitungsqualität ist so gut, dass nichts knarzt. Besonders hervorzuheben sind die Sitze, die nicht nur durch ihren Komfort, sondern auch durch ihre Heiz- und Kühlfunktion überzeugen – eine echte Rarität in dieser Preisklasse. Auch der am Lenkrad montierte Richtungswähler hat uns sofort begeistert: Er ist gut positioniert und einfach zu bedienen. Man mag es kaum glauben, aber heutzutage ist das keine Selbstverständlichkeit mehr. Die wenigen physischen Schalter in der Mittelkonsole, mit denen sich die wichtigsten Funktionen der Klimaanlage und der Lautstärke steuern lassen, gefallen uns ebenfalls. Geely hat sich also sichtlich Mühe gegeben, den Innenraum des Starray EM-i zu einem sehr angenehmen Ort zum Verweilen zu gestalten. Einzig das Lenkrad würde ich ändern: Es ist oben und unten abgeflacht, einfach zu groß und daher etwas unbequem.

Und nicht zu vergessen: die Bildschirme! Das Herzstück des Armaturenbretts ist natürlich der große 15,4-Zoll-Zentralbildschirm, über den nahezu alle Fahrzeugfunktionen gesteuert werden. Der Bildschirm selbst ist hell genug und reagiert schnell, doch die Benutzeroberfläche erfordert aufgrund der vielen Menüs und Untermenüs zu viel Aufmerksamkeit, die der Fahrer während der Fahrt schlichtweg nicht hat. Um beispielsweise die Rekuperationsfunktion zu aktivieren und störende Assistenzsysteme abzuschalten, sind vor jeder Fahrt etwa 15 (!) Klicks auf den Bildschirm nötig – absolut zu viel. Der kleinere Fahrerbildschirm mit einer Diagonale von 10,2 Zoll ist gut ablesbar, wenn auch nicht verstellbar. Der Projektionsbildschirm, der zum MAX-Ausstattungspaket gehört, ist groß, hell genug und klar und verdient daher ebenfalls ein Lob.

Der Starray EM-i nimmt im Angebot von Geely eine Sonderstellung ein, denn er ist der erste Plug-in-Hybrid der Marke. Wir haben bereits erwähnt, dass er praktisch nichts mit dem regulären Starray gemein hat, aber warum? Ganz einfach: Er basiert auf der völlig anderen GEA-Plattform der 5. Generation, die exklusiv für Elektro- und Plug-in-Hybridantriebe entwickelt wurde. Auf dieser Plattform basiert auch der elektrische EX5, mit dem der Starray EM-i deutlich mehr Gemeinsamkeiten aufweist. Der 1.5-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor mit 73 kW (99 PS) Leistung ist ebenfalls speziell für ein optimales und reibungsloses Zusammenspiel mit dem Elektromotor ausgelegt. Dieser fungiert lediglich als Generator, während der 160 kW (218 PS) starke Elektromotor die Hauptrolle übernimmt und seine Energie aus einer Batterie mit einer Nettokapazität von 18,4 kWh bezieht. Beide Motoren arbeiten über ein einstufiges 1DHT-Automatikgetriebe zusammen. Besonders beeindruckend für alle, die sich mit der Effizienz von Antriebssträngen auskennen, ist der nahezu unglaubliche thermische Gesamtwirkungsgrad von 46,5 %. Zum Vergleich: Ein typischer Benzinmotor erreicht einen Wirkungsgrad zwischen 20 und 25 %, ein Dieselmotor bis zu 35 %.

Das ist natürlich nur Theorie, aber wie sieht es in der Praxis aus? Es hängt stark davon ab, wie gewissenhaft man den Akku lädt. Ist der Akku ausreichend voll, vergisst man fast, dass man ständig einen Benzinmotor mit sich führt. Dieser schaltet sich nur ein, wenn man im Hybrid- oder Power-Modus das Gaspedal voll durchtritt. Ansonsten fährt sich das Auto wie ein reines Elektroauto. Es ist sogar besser, da man ohne die Reichweitenangst unterwegs ist, die bei Elektroautos unterbewusst immer präsent ist. In unserem Test fuhren wir mit einer Akkuladung rund 60 Kilometer. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich der Akku nie vollständig entlädt. Das sorgt für eine konstante Leistung, die nicht vom Ladezustand abhängt. Genau deshalb ist der Starray EM-i auch für diejenigen bestens geeignet, die beim Laden des Akkus nicht so gewissenhaft sind. Das Auto verhält sich dann weitgehend wie ein selbstladender Hybrid: In der Stadt fährt man überwiegend elektrisch, und der Benzinmotor schaltet sich nur gelegentlich ein, wenn das System es für nötig hält. Auf Autobahnen und Schnellstraßen verhält es sich ähnlich, nur dass der Benzinmotor eine wichtigere Rolle spielt. Positiv hervorzuheben ist, dass der Benzinmotor (meistens) relativ niedrige Drehzahlen hält, da keine direkte Verbindung zwischen Motor und Rädern besteht und die Schaltvorgänge sehr sanft erfolgen. Einziger Kritikpunkt: Unabhängig vom Ladezustand der Batterie und dem gewählten Fahrprogramm reagiert das Fahrzeug beim Anfahren recht träge, was beispielsweise beim Einfädeln in den fließenden Verkehr gefährlich sein kann.

Der Verbrauch hängt stark von Ihrer Ladegewohnheiten ab: Bei zügigem Laden kann er unter zwei Litern liegen, bei weniger zügigem Laden sind es rund sechs Liter, im Stadtverkehr sogar ein Liter weniger. Dank des 30-kW-Gleichstromladers geht das Laden schnell genug, sodass weniger zügiges Laden kaum eine Ausrede hat. Von 20 auf 80 Prozent lädt der Akku in gut 20 Minuten, an einer Haushaltsladestation mit 6,6 kW Leistung dauert es gut drei Stunden – weniger beeindruckend, aber ausreichend. Geely verspricht für den Starray EM-i eine kombinierte Reichweite von 983 Kilometern, in unserem Test erreichten wir gute 800 Kilometer. Wer den Akku clever entlädt, was beim Starray EM-i ebenfalls möglich ist, kann sogar die 900-Kilometer-Marke knacken.

Unterwegs wird schnell deutlich, dass der Starray EM-i nicht auf diverse, nur mittelmäßig umgesetzte Features setzt, sondern sich ganz auf eine Stärke konzentriert: Komfort. Tatsächlich ist der Fahrkomfort so hoch, dass er selbst dynamische Fahrer nicht zu sportlicher Fahrweise animiert, sondern sie entspannt von A nach B bringt – und genau das zählt für die meisten Fahrer. Ja, das Auto neigt zum Untersteuern, und ja, die Lenkung bietet kaum Rückmeldung, doch das ist kein Problem, denn der Starray EM-i ist kein Sportwagen und will es auch gar nicht sein, was für ein solches Auto sogar lobenswert ist. Einziger Wermutstropfen der weichen Fahrwerksabstimmung und der hohen Sport-Offroad-Ausrichtung ist die oft zu starke Seitenneigung in Kurven, und die Lenkung wirkt für ein Auto ohne sportliche Ambitionen etwas zu unpräzise.

Der Starray EM-i ist also ein sehr komfortables und sparsames Fahrzeug. Um auch bei Familien beliebt zu sein, braucht er nur noch einen weiteren Trumpf: seine Benutzerfreundlichkeit. Und die hat er auch! Fangen wir mit der Rückbank an, wo selbst die größten Basketballstars bequem Platz finden und Kinder sich dank des großzügigen Platzangebots wie Regisseure fühlen. Zum ersten Mal während der Testfahrt kam es vor, dass sich die Passagiere darum stritten, wer hinten statt vorne sitzen durfte – was sonst eher selten vorkommt. Das liegt nicht nur am Platzangebot, sondern auch daran, dass die Rückbank extrem weich und bequem ist und das Panorama-Schiebedach, das Teil des MAX-Pakets ist, ein luftiges Raumgefühl vermittelt. Wäre die zweite Sitzreihe auch noch verschiebbar, wäre es fast perfekt. Viel Platz in der zweiten Reihe bedeutet oft weniger Platz im Kofferraum, aber hier ist das nicht der Fall: Mit 528 Litern Volumen bietet der Kofferraum mehr als genug Platz für den Alltag, und für Seereisen braucht man kaum Tetris-Tricks. Trotz des relativ großen Akkus hat Geely noch Platz für einen doppelten Boden gefunden, auf dem man auch das Ladekabel verstauen kann.

Geely legte bei der Präsentation großen Wert auf die Assistenzsysteme, doch diese stellen eine der größten Schwächen des Starray EM dar. Am besten lässt sich das anhand eines alltäglichen Beispiels verdeutlichen: Wie jeder normale Autofahrer gebe ich zu, dass ich manchmal ein, zwei oder sogar drei Kilometer zu schnell fahre. Dann ertönen die ersten drei Pieptöne. Da auch eine optische Warnung auf dem Fahrerdisplay angezeigt wird, richte ich meinen Blick darauf und überprüfe gleichzeitig die Geschwindigkeit – noch bevor ich richtig hinschauen kann, ertönen drei weitere Pieptöne, die, man glaubt es kaum, noch nerviger sind als die ersten drei. An diesem Punkt gebe ich meist auf und vertiefe mich in das zentrale Display, wo ich alle Ablenkungen deaktiviere. Da dies viel mehr Aufwand erfordert als nötig, gerate ich versehentlich an den Fahrbahnrand, und in diesem Moment spielen ein dritter Piepton und eine Vibration des Lenkrads mit meinen Nerven, kurz darauf ein vierter, der mich daran erinnert, auf die Straße zu schauen. Ich hoffe, das hilft Ihnen zu verstehen, wo das Problem liegt: Die meisten Assistenzsysteme sind zu empfindlich und störend, und sie abzuschalten erfordert viel zu viel Aufwand. Der intelligente Radartempomat funktioniert am besten, hat aber auch seine Schwächen – in Kurven auf Autobahnen reißt das Lenkrad zu stark.

Unter der Haube des Starray EM-i hinterlässt man einen recht klaren Eindruck. Er versucht nicht, alles auf einmal zu sein – und genau das ist sein größter Vorteil. Er konzentriert sich auf Komfort, Geräumigkeit und einen effizienten Antriebsstrang, der bei regelmäßigem Laden einen sehr niedrigen Verbrauch und ein Fahrgefühl bietet, das sich meist eher an ein Elektroauto als an einen klassischen Hybrid erinnert. Hinzu kommen ein geräumiger Innenraum, eine gute Ausstattung und ein wettbewerbsfähiger Preis, und schnell wird klar, dass er in seinem Segment einige starke Stärken hat. Falls Sie noch nie mit chinesischen Autos in Berührung gekommen sind und Ihre Vorurteile immer noch auf dem Top-Gear-Artikel über chinesische Autos aus dem Jahr 2012 beruhen, habe ich Neuigkeiten für Sie: Sie werden eine große Überraschung erleben.

TECHNISCHE DATEN

MOTOR4-Zylinder-Reihenmotor; Hubraum: 1.499 cm³; Leistung: 73 kW (99 PS); Drehmoment: 125 Nm; Elektromotor: 160 kW; Batterie: 18,4 kWh
PRENOSAntrieb – vorne; Getriebe – 1DHT, einstufig; Reifen – 255/55R18; Wendekreis – 10,4 m;
KAROSSERIE5-türiges SUV; Segment – ​​C SUV; Anzahl der Sitze – 5; Abmessungen (L/B/H) – 4.740 mm x 1.905 mm x 1.685 mm; Radstand – 2.755 mm; Bodenfreiheit – 172 mm;
INNERE ABMESSUNGENKofferraum – 528/2065 Liter;
MASSEGewicht – 1.770 kg; Nutzlast – 426 kg; zulässiges Gesamtgewicht – 2.196 kg;
KAPAZITÄTBeschleunigung – 8,0 s auf 100 km/h; Höchstgeschwindigkeit – 170 km/h; Kraftstofftank – 51 l; WLTP-Kraftstoffverbrauch – 2,4 l/100 km (kombiniert, Hybrid); CO2-Emissionen – 54 g/km (kombiniert);

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