Die Geschichte des Saab 90: Die Geburt des finnischen Frankenstein

Durch die Verschmelzung zweier bestehender Fahrzeuge entstand die Saab 90 Limousine, ein Produkt der Notwendigkeit und der Kosteneinsparung, und gilt heute als eines der seltensten klassischen Modelle der Marke.

Ende der 1970er-Jahre war Saab ein kleiner, unabhängiger Hersteller mit begrenzten finanziellen Mitteln und setzte daher hauptsächlich auf Kooperationen zur Entwicklung neuer Modelle. Man schloss einen Vertrag mit dem Fiat-Konzern zur Entwicklung des zukünftigen Luxusmodells 9000 ab und verkaufte im Gegenzug umbenannte Lancia-Modelle (wie den Saab-Lancia 600) auf den nordeuropäischen Märkten. Mit der Einstellung des Modells 96 und der schrittweisen Reduzierung der 99er-Baureihe, um Platz für die neue, größere 900er-Baureihe zu schaffen, übten die Händler großen Druck auf die Markenführung aus, da sie dringend ein neues und vor allem erschwingliches Einstiegsmodell benötigten.

Zu diesem Zeitpunkt war die Produktion des 99 bereits vollständig ins finnische Werk in Uusikaupunki verlegt worden, wo die einheimischen Arbeiter ihr Bestes gaben, den Betrieb aufrechtzuerhalten. 1984 schlugen die Finnen vor, den 99 mit der Frontpartie der neueren 900er-Serie zu überarbeiten. Saab-Chef Sten Wennlo lehnte die Idee jedoch ab, da ein solches Auto dem deutlich teureren 900er zu ähnlich sähe. Er entschied sich für einen einfachen Trick und kombinierte mit minimalem Entwicklungskosten die Front des älteren 99 mit dem Heck der zweitürigen 900er Limousine. So entstand ein neues Einstiegsmodell namens Saab 90.

Die ungewöhnlichen Proportionen und das Design stießen zunächst bei einigen Händlern auf Widerstand, die sich weigerten, das Auto in ihren Ausstellungsräumen zu präsentieren. Wennlo stellte jedoch strenge Anforderungen für andere Modelle, und so wurde der Saab 90 Anfang 1985 offiziell auf den Markt gebracht. Er wurde in wenigen europäischen Ländern verkauft, hauptsächlich in Schweden, Finnland, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Mit seiner zuverlässigen Technik und dem bewährten Motor, der 74 kW (100 PS) Leistung und 161 Nm Drehmoment bot, war der finnische „Frankenstein“, wie er liebevoll genannt wurde, besonders bei älteren Fahrern beliebt. Um den Basispreis extrem niedrig zu halten, war die Liste der Sonderausstattungen sehr bescheiden und umfasste lediglich ein Fünfganggetriebe, Metallic-Lackierung und ein Schiebedach. Die Produktion wurde 1987 nach etwas mehr als 25.000 gebauten Einheiten eingestellt.

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