Greenlander Sherpa: Kabine aus Naturfasern kombiniert mit Sprinter

Geländewagen sind oft wie Wanderschuhe mit Stahlkappen: robust, hoch, teuer – und oft so filigran wie ein Tresor auf Rädern. Der Greenlander Sherpa will das vermeiden. Robust genug für härteste Bedingungen, aber nachhaltiger konstruiert als viele klassische Geländewagen.

Interessant ist dabei auch, dass sich der Kreis schließt: Die Naturfasertechnologie von Circular Structures, die bereits beim Dethleffs e.home Eco zum Einsatz kam, bildet auch die strukturelle Grundlage für den Sherpa. Neu ist, dass neben dem Iveco Daily 4×4 nun auch der Mercedes Sprinter mit von der Partie ist.

Bislang wurde der Sherpa vor allem mit dem Iveco Daily 4×4 in Verbindung gebracht. Das passte zu seinem Charakter: die Nutzfahrzeugbasis, die robuste Rahmenkonstruktion mit Leiterrahmen und der geländegängige Look. Zukünftig soll der Sherpa auch auf Basis des Mercedes Sprinter 419 CDI 4×4 erhältlich sein. Unter der Haube arbeitet der bekannte 190 PS starke Dieselmotor. Hinzu kommt der semipermanente Allradantrieb des Sprinter, der bei Bedarf die Kraft an die Vorderachse leitet. Es handelt sich hierbei nicht um ein Rallyeauto für die Rallye Dakar. Aber es ist ein Camper, der sich von matschigen Parkplätzen, nassen Waldwegen oder holprigen Schotterpisten nicht gleich die Laune verderben lässt.

Der Radstand beträgt 3.665 Millimeter und das zulässige Gesamtgewicht 4.100 Kilogramm. Damit bleibt der Sprinter-Sherpa unter der 4,25-Tonnen-Grenze, die für Wohnmobile in Zukunft wohl noch relevanter werden dürfte. Greenlander gibt das Gewicht von Fahrzeug und Kabine mit rund 3.400 Kilogramm an. Daraus ergibt sich eine Zuladung von etwa 700 Kilogramm. Für ein kompaktes Expeditionsfahrzeug ist das solide, aber nicht übertrieben. Wasser, Diesel, Ausrüstung, Werkzeug, Fahrräder und Reiseverpflegung schlagen bekanntlich schnell auf der Waage merklich zu Buche.

Die Außenmaße betragen etwa 6,5 ​​bis 6,6 Meter Länge, 2,2 Meter Breite und rund 3,2 Meter Höhe. Damit ist der Sherpa deutlich kompakter als viele große Expeditionsfahrzeuge, aber er ist definitiv kein Lieferwagen mehr, der sich unauffällig in jede Lücke der Innenstadt quetscht. Wer sich für ein solches Fahrzeug entscheidet, sucht keinen Parkplatz vor der Konditorei, sondern eher einen Weg dahinter. Der Dieseltank fasst 93 Liter, der AdBlue-Tank 25 Liter. Auch damit erfüllt er die Anforderungen an ein Fahrzeug, das nicht an jedem zweiten Kreisverkehr tanken möchte. Wichtiger als große Zahlen ist hier die Kombination aus Reichweite, Bodenfreiheit, Verarbeitungsqualität und Ladekapazität.

Die eigentliche Besonderheit des Sherpa liegt nicht im vorderen Bereich des Motorraums, sondern im Heck des Rahmens. Die Kabine besteht aus Naturfaserverbundwerkstoffen von Circular Structures. Anstelle klassischer Fiberglaskonstruktionen setzt der Greenlander auf eine Sandwichbauweise mit Flachsfasern und einem Kern aus recyceltem PET. Kurz gesagt: weniger Kunststofffestung, mehr funktionaler Flachs.

Die Kabine misst etwa 4,14 Meter in der Länge, 2,17 Meter in der Breite und gut 2,15 Meter in der Höhe. Die Stehhöhe im Wohnbereich beträgt etwa 2,02 Meter. Das mag wie ein unbedeutendes Detail klingen, entscheidet aber schnell über die Alltagstauglichkeit. Spätestens nach ein paar Regentagen wird sich zeigen, ob das Design gelungen ist.

Teil des Konzepts ist auch der sogenannte „Smart Frame“. Dabei handelt es sich um eine Struktur, die Kabine, Technologie und Basisfahrzeug optimal miteinander verbindet. Greenlander investiert eigenen Angaben zufolge bereits in den Ausbau der Produktionskapazitäten für Koffer aus Naturfasern und diese „Smart Frame“-Struktur. Gleichzeitig prüft das Unternehmen Kooperationsmöglichkeiten im Bereich Montage und Service.

Der Innenraum des Sherpa ist nicht als Expeditionscontainer, sondern als kompaktes Zuhause konzipiert. Natürliche Materialien, eine angenehme Atmosphäre und ein Interieur, das eher auf Komfort als auf militärische Anforderungen ausgelegt ist, prägen das Bild. Zur Ausstattung gehören Konnektivitätslösungen wie 5G-WLAN, GPS und optional Starlink. Auch das Badezimmer ist kompakt gestaltet. Das bekannte Sherpa-Modell verfügte über ein funktionales Badezimmer mit fest installiertem Waschbecken, Handbrause, Schränken, einem Dachfenster und einer Komposttoilette. Diese Lösungen passen perfekt zum Design des Fahrzeugs: Sie wirken nicht überladen, sondern sind klar auf längere Reisen abgestimmt.

Die erste Serie ist aktuell für 2027 als „Launch Edition“ auf Basis des Sprinter geplant. Reguläre Bestellungen für die Folgelieferungen werden voraussichtlich mit der Präsentation auf der CMT 2027 starten. Realistisch betrachtet werden die ersten Serienlieferungen daher wohl Ende 2027 oder Anfang 2028 erfolgen. Mit dem Sprinter als zweitem Basisfahrzeug erzielt Sherpa einen entscheidenden Vorteil: Serviceunterstützung. Wer weite Strecken zurücklegt, braucht keine romantischen Abenteuerbeschreibungen, sondern Ersatzteile, Zugang zu einer Werkstatt und jemanden, der sich mit dem Fahrzeug auskennt. Hier ist der Sprinter kaum zu übertreffen.

Der Greenlander Sherpa ist schließlich kein Wohnmobil für Campingausflüge an Thermalbädern. Dank seiner Sprinter-Basis eignet er sich besser für den Alltag, und die Kabine aus Naturfasern macht ihn zu etwas Besonderem. Kein Öko-Glanz, kein Expeditions-Pathos – vielmehr ein nüchterner Versuch, Offroad-Reisen etwas einfacher und nachhaltiger zu gestalten.

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Bojan Vrbnjak
Bojan Vrbnjak
F1-Enthusiast, Golf, Reiseliebhaber und Amateurfotograf.

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