Seit der offiziellen Markteinführung des Ferrari Luce ist über ein Monat vergangen, doch die Debatte darüber, insbesondere über sein ungewöhnliches Design, hält weiterhin an. Viele Medien haben fälschlicherweise geschlossen, dass das Modell für den Kurssturz verantwortlich sei.
Die Debatte dreht sich jedoch weniger um das Modell selbst, sondern vielmehr um seine Bedeutung für Ferrari. Der Luce ist ein klares Bekenntnis der Marke zu Elektroautos. Zwar benötigt der italienische Hersteller ein solches Fahrzeug nicht unbedingt, kann es sich aber nicht leisten, lediglich auf die neue Realität zu reagieren. Als Innovator in dieser Branche muss Ferrari der Konkurrenz einen Schritt voraus sein.
Neues Symbol?




Der Luce ist nicht nur der erste vollelektrische Ferrari, sondern auch der erste Ferrari mit vier Türen und Schrägheckkarosserie (die 456 GT Limousine war ein Einzelstück, exklusiv für den Sultan von Brunei gefertigt). Er ist zudem der Ferrari mit dem höchsten Anteil ausländischer Designelemente aller Zeiten. Allein diese drei Faktoren könnten den Luce zu einer zukünftigen Rarität machen, die viele Sammler der Marke unbedingt haben wollen. Doch es gibt noch ein weiteres, noch überzeugenderes Argument – basierend auf der jüngeren Geschichte einiger Ferrari-Modelle.
Der Fall Purosangue
Um den zukünftigen Wert des Luce besser einschätzen zu können, habe ich mir die Preisentwicklung einiger aktueller Ferrari-Modelle angesehen. Ich verglich den ursprünglichen Marktpreis mit den heutigen Preisen auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Dabei berücksichtigte ich fünf Modelle: den F12 Berlinetta (2013), den GTC4 Lusso (2016), den SF90 Stradale (2020), den 296 GTB (2022) und den Purosangue (2023).

Das älteste Modell – der Ferrari F12 Berlinetta, der 2013 auf den Markt kam – verzeichnete eine der schwächsten Preisentwicklungen. Der Einstiegspreis lag 2013 bei 274.400 €, was inflationsbereinigt heute etwa 340.100 € entspricht. Aktuell liegt der niedrigste Angebotspreis für ein 2013er Modell auf Ferraris offizieller Gebrauchtwagenplattform (Ferrari Approved) bei 253.000 €. Das bedeutet einen Wertverlust von 26 Prozent über die Jahre. Die Wertentwicklung des GTC4 Lusso ist noch schlechter: Hier ist mit einem Wertverlust von 31 Prozent zu rechnen.
Die Purosangue war ein weiteres umstrittenes Modell der Marke. Im Gegensatz zu den zuvor genannten Modellen ist sie das einzige, dessen Wert im Laufe der Zeit gestiegen ist. Laut den Daten liegt ihr Einstiegspreis ab 2023 aktuell bei rund 406.800 Euro. Der niedrigste Preis für ein Exemplar aus dem Jahr 2023 beträgt 475.000 Euro – das entspricht einer Wertsteigerung von 17 Prozent.




Ferrari ist vermutlich nicht der einzige Hersteller, bei dem Modelle, die bei ihrer Markteinführung auf heftige Kritiken stießen, später zu Sammlerstücken werden. Oder wird der Luce dem Beispiel des Purosangue folgen und ebenfalls im Preis steigen? Das werden wir wohl erst in einigen Jahren wissen.
