Verändern bedeutet: etwas so zu machen, dass es nicht mehr so ist, wie es war. Daher sollten die folgenden Zeilen keine Überraschung sein.
Grundpreis: 70.900 €
Preis des Testfahrzeugs: 86.434 €
Veränderungen in der Automobilindustrie sind nichts Neues. Alle paar Jahre muss jede Marke mindestens einige Innovationen einführen, um die Verkaufszahlen zu halten. Doch Vorsicht ist geboten. Sind es zu wenige, rechtfertigt das den Kauf nicht – und die Marke verliert einen Käufer. Sind es zu viele, kann das Auto seinen Charme verlieren. Und dieser Charme ist von größter Bedeutung, insbesondere für europäische Hersteller mit kaum einem Jahrhundert Erfahrung. Um ein solches Szenario zu vermeiden, haben sie einen etwas anderen Weg eingeschlagen. Sie haben ein wichtiges Kapitel ihrer eigenen Geschichte aufgegriffen – das der Neuen Klasse. Das Modell iX3 soll, genau wie das Modell 1500 im Jahr 1962, einen Wendepunkt darstellen, nach dem alles anders sein wird.
Die Designer ließen sich von der legendären Modellfamilie „Neue Klasse“ aus den 1960er-Jahren inspirieren. Doch was hat der neue iX3 tatsächlich mit diesen Modellen gemeinsam (abgesehen von diversen Marketingtricks)? Nun, die Form der vorderen „Nieren“ ist eine klare Hommage an frühere Designs, auch wenn sie dank des Elektroantriebs nicht mehr der Kühlung dienen. Dafür sind sie beleuchtet! Die Hofmeister-Breite vor der C-Säule, die sich über die Jahre zu einem Markenzeichen von Beemve entwickelt hat, ist ebenfalls erhalten geblieben. Aber seien wir ehrlich: Jedes BMW-Modell der letzten sechs Jahrzehnte hat dieses Detail beibehalten. Das Design des neuen iX3 stammt von Adrian van Hooydonk, dem Leiter der Designabteilung bei Beemve.







Eines sollten Sie jedoch wissen: Betrachtet man die Plattform des neuen iX3 genauer, findet man kaum Gemeinsamkeiten mit den anderen Modellen der Marke. Denn er ist komplett neu und revolutionär für das Unternehmen – daher auch der Name „Neue Klasse“.
Eine der wichtigsten Neuerungen ist die komplett neue digitale Umgebung, die BMW „Panoramic Vision“ nennt. Sie besteht aus zwei Bildschirmen: einem 17,9 Zoll großen, sechseckigen Zentralbildschirm und einem 43 Zoll großen Panoramabildschirm unter der Windschutzscheibe. Reichen Ihnen 60 Zoll Bildschirmdiagonale nicht? Kein Problem – BMW bietet Ihnen eine 3D-Projektionsleinwand im Innovationspaket für 2.004 Euro an. Doch das sind nur Zahlen. Entscheidend ist das Nutzererlebnis. Wenn Sie alle Funktionen Ihres Autos vom ersten Moment an kennen und nutzen möchten, wird Ihnen die neue digitale Umgebung der Neuen Klasse nicht zusagen. Ehrlich gesagt, werden Ihnen auch andere neue Autos nicht sofort zusagen. Nimmt man sich jedoch ein oder zwei Tage Zeit, um sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen, wird deutlich, dass sie sehr durchdacht und ausgereift ist. Die Eingewöhnungszeit liegt nicht an einem schlechten Design, sondern an der Fülle der Inhalte der Benutzeroberfläche.

























Der Panoramabildschirm verdient besonderes Lob, da er dank seiner Breite (er erstreckt sich zwischen den beiden A-Säulen) viele nützliche Informationen anzeigt und gleichzeitig durch seine Positionierung den Blick des Fahrers nicht von der Straße abwenden muss. Man fragt sich unwillkürlich, warum andere Hersteller diese Lösung nicht übernommen haben. Doch nicht alles ist perfekt. Nehmen wir zum Beispiel die haptischen Lenkradtasten. Viele Hersteller haben sie aus gutem Grund bereits wieder abgeschafft, BMW hingegen erst jetzt. Warum? Wer weiß.
Der Innenraum hat sich sowohl im Design als auch im Raumangebot weiterentwickelt. Das Cockpit wirkt sehr dynamisch, die Materialien sind größtenteils sehr angenehm, an einigen Stellen (im unteren Bereich der Türverkleidungen und der Mittelkonsole) etwas weniger, und die Haptik ist insgesamt sehr gut. Viel wurde über das neue Lenkrad geschrieben – genauer gesagt über seine vierte Speiche. Über sein Aussehen lässt sich nicht diskutieren, da jeder seinen eigenen Geschmack hat. Fakt ist jedoch, dass das Lenkrad sehr gut in der Hand liegt. Der neue iX3 bietet dank der neuen Plattform sowohl vorne als auch hinten viel Platz, sodass auch Erwachsene bequem sitzen können. Selbst bei voller Besetzung bietet der 520 Liter fassende Kofferraum ausreichend Platz für Gepäck, und der vordere Kofferraum ist groß genug für Ladekabel und einen Rucksack.
Soviel dazu, wenn dies ein Computerraum wäre. Da der Wagen aber (sehr große) Räder hat, muss man etwas zum Fahrverhalten sagen. Fangen wir mit der Servolenkung an, die in allen Fahrprogrammen etwas zu weich und gleichzeitig etwas zu träge in der Rückmeldung ist. Mit 2,8 Umdrehungen zwischen den Extrempositionen ist sie jedoch fast sportlich und direkt. Ähnlich verhält es sich mit dem Fahrwerk, das ansonsten sehr gut ausbalanciert ist. Es ist weder übermäßig straff noch besonders weich. Wer jedoch bereit ist, 80 Euro und mehr für ein Auto auszugeben, wünscht sich manchmal beides. Dies ermöglicht ein adaptives Fahrwerk, das beim iX3 nicht einmal als Sonderausstattung erhältlich ist. Das Ergebnis ist ein Fahrwerk, das vielseitig genug ist, uns aber gleichzeitig nirgendwo wirklich „hineinzieht“. Meiner Meinung nach ist der iX3 für ein BMW-Produkt auf der Straße nicht agil genug, nicht sportlich genug. Aber die Ingenieure wissen das wahrscheinlich schon. Das ist offensichtlich die Richtung, in die sich die Marke entwickelt. Erinnern wir uns an die Einleitung – Veränderung.








Um den Gesamteindruck nicht zu trüben – das heißt nicht, dass der iX3 schlecht fährt. Aber es gibt Verbesserungspotenzial. Das Fahrwerk würde ohne jegliche Einstellungsänderungen einen deutlich besseren Eindruck machen, wenn BMW den neuen iX3 auf Diät setzen und einige hundert Kilogramm Gewicht einsparen würde. Das ist spürbar – egal ob man gemütlich oder sportlich fährt. Unbestritten ist hingegen der neue Antriebsstrang. Die 345 kW (bzw. 469 PS) Leistung und 645 Nm Drehmoment beeindrucken vom Start weg. Bei sommerlichen Temperaturen und mit Sommerreifen ist trotz der beeindruckenden Werte kein Schlupf zu erwarten. Dafür sorgen auch ESP und ASR, die die geballte Kraft perfekt im Griff haben. Nicht zu vergessen ist natürlich der Allradantrieb.
Verbrauch? Obwohl wir die Leistung des Elektromotors im Test voll ausgereizt haben, hat sich der Verbrauch nach tausend Kilometern bei 18,1 kWh/100 km stabilisiert – ein sehr moderater Wert angesichts der Leistung, des Gewichts und der Form des Fahrzeugs! Berücksichtigt man die Batterie mit ihrer beeindruckenden Nettokapazität von 108,7 kWh, sind realistische Reichweiten von bis zu 600 Kilometern mit einer einzigen Ladung möglich, auf der Autobahn etwa 80 Kilometer weniger. Das sind wirklich respektable Werte.
So beeindruckend diese Zahlen auch sein mögen, irgendwann ist der Akku leer. Genau dann spielt die neue 800-Volt-Architektur ihre Stärken aus. Das iX3-Modell ermöglicht das Laden mit bis zu 400 (!) Kilowatt Gleichstrom (DC). Laut Herstellerangaben bedeutet das, dass der Akku (an einer geeigneten Ladestation) in nur 21 Minuten von 10 auf 80 % geladen werden kann. Und in der Praxis? An einer passenden Ladestation konnte ich den Akku in nur 22 Minuten von 17 auf 85 % laden. Aber das ist wirklich nur eine kurze Kaffeepause. Vorausgesetzt natürlich, man findet eine 400-Kilowatt-Ladestation. Klar, mit meinem Diesel an der Tankstelle schaffe ich das in fünf Minuten. Aber Sie verstehen sicher, worauf ich hinauswill.
Der BMW iX3 ist zweifellos ein sehr gutes Auto. Ich würde ihn sogar als exzellent bezeichnen, ohne zu übertreiben. Die Frage, die mir während der Testphase immer wieder durch den Kopf ging, war: Ist er auch ein sehr guter BMW? Ehrlich gesagt: Ich bin mir da nicht so sicher.

























Technische Daten & Bewertung
Mehr
- realistische Reichweite
- günstiger Verbrauch unter Berücksichtigung der Fahrzeugleistung und des Gewichts
- Komfort
- innovatives Interieur
- sehr schnelles Laden mit Gleichstrom (DC)
- Einparkhilfen
- Ausrüstung (im Allgemeinen)
- xDrive-Souveränität
- Betrieb von Assistenzsystemen
- Matrix-Scheinwerferbetrieb
- Soundsystem
- Massagefunktion für die Vordersitze
Nachteile
- signifikante Masse
- ohne die Option einer adaptiven Federung
- steriles Lenkrad
- Sitze ohne Belüftung
- wuchtige A-Säule
- haptische Lenkradschalter
