Vor 20 Jahren sorgte der Gumpert Apollo für Furore. Dieser kompromisslose deutsche Sportwagen brach Rekorde auf der Nordschleife und sah eher aus wie ein Le-Mans-Prototyp mit Straßenzulassung als wie ein klassischer Straßenwagen. Zwei Jahrzehnte später feiert die Marke dieses Jubiläum mit einem Auto, das kaum weniger radikal wirkt.
Beim diesjährigen Goodwood Festival of Speed präsentierten die Bayern erstmals die Serienversion des Apollo EVO. Das erste Kundenfahrzeug trägt den Namen „Caribbean Dragon“, ist eines von nur zehn geplanten Exemplaren und setzt weiterhin auf etwas, das heute fast noch exotischer wirkt als eine Karosserie aus Kohlefaser: einen V12-Saugmotor.
Der EVO ist der Nachfolger des kompromisslosen Apollo Intensa Emozione und bleibt dessen Philosophie treu. Straßenzulassung spielt hier keine Rolle, Komfort ist zweitrangig. Stattdessen konzentriert sich der Apollo auf minimales Gewicht, maximale Aerodynamik und ein möglichst direktes Fahrerlebnis.






Das Herzstück dieses Hypercars ist ein 6,3 Liter großer V12-Saugmotor mit 800 PS und 765 Nm Drehmoment. Die Kraft wird über ein sequenzielles Sechsganggetriebe an die Hinterräder übertragen. Zusammen mit einem Trockengewicht von nur 1.300 Kilogramm ermöglicht dies eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h.
Die Basis bildet ein neu entwickeltes Carbon-Monocoque. Mit einem Gewicht von nur 165 Kilogramm soll diese Struktur 15 Prozent steifer und 10 Prozent leichter sein als die des Apollo Intensa Emozione. Ergänzt wird dies durch Carbon-Hilfsrahmen vorne und hinten sowie spezielle Carbon-Sicherheitsstrukturen.
Auch optisch wird deutlich, dass Zurückhaltung nicht zu den technischen Anforderungen des ersten Serien-EVO gehörte. Mit seinen Flügeln, Lufteinlässen und Carbonflächen sieht er nicht wie ein von Ingenieuren entworfenes Auto aus. Eher wie eines dieser völlig übertriebenen Spielzeugautos, die Kinder an der Supermarktkasse unbedingt haben wollen. Nur dass dieses hier 800 PS leistet und tatsächlich existiert.






Der sogenannte „Karibische Drache“ besteht aus über 75 einzelnen Carbonteilen. Allein die Lackierung soll mehr als 1.000 Arbeitsstunden in Anspruch genommen haben. Laut Apollo sorgen insgesamt acht Lackschichten für einen besonders tiefen Effekt. Das Erscheinungsbild wird von Weiß- und Blautönen dominiert, die dem Fahrzeug einen beinahe skulpturalen Charakter verleihen.
Das erste Kundenfahrzeug wird daher mit einer speziellen „Dragon Skin“-Auspuffanlage ausgestattet. Diese wird im 3D-Druckverfahren aus Titan gefertigt und kommt ohne herkömmliche Schweißnähte aus. Aufgrund der hohen Temperaturen auf der Rennstrecke verändert sich ihre Oberfläche mit der Zeit und nimmt allmählich bläuliche Farbtöne an.
Der Apollo setzt im Cockpit auf sichtbares Carbon und Aluminiumkomponenten. Das Design ist eindeutig auf den Motorsport ausgerichtet. Das Carbon-Monocoque ist bewusst sichtbar. Ergänzt wird dies durch maßgefertigte Sportsitze und ein speziell designtes Lenkrad. Im Vordergrund steht nicht Luxus, sondern das Gefühl, in einem optisch extrem spektakulären Rennwagen zu sitzen.


Es ist kein Zufall, dass Apollo den EVO in Goodwood zusammen mit dem ursprünglichen Gumpert Apollo und dem Intensa Emozione präsentierte. Nun werden also drei Generationen der Marke, die sich stets mehr für Rundenzeiten als für Intelligenz interessierte, Seite an Seite gezeigt.
Der EVO beweist eindrucksvoll, dass Apollo auch 2026 noch seinen eigenen Weg gehen wird. Während viele Hypercars heutzutage auf Hybridtechnologie, zusätzliche elektrische Leistung und immer komplexere Elektronik setzen, bleibt der EVO dem Hubraum, dem geringen Gewicht und möglichst wenigen Zwischenschritten zwischen Auto und Fahrer treu.
Ein V12-Saugmotor, 800 PS, ein Gewicht von 1.300 Kilogramm und eine Auflage von nur zehn Exemplaren – im Jahr 2026 könnte nichts unvernünftiger sein. Und genau deshalb wirkt der Apollo EVO heute fast wie eine ausgestorbene Spezies.
