Anstelle des umstrittenen Verbots von Autobahnfahrten und der Bewegungsbeschränkungen für Fahrer über 85 wird die italienische Regierung strengere medizinische Kontrollen einführen.
Die italienische Regierung hat einen umstrittenen Gesetzentwurf zurückgezogen, der die Mobilität von Autofahrern über 85 Jahren stark eingeschränkt hätte. Der ursprüngliche Entwurf der Straßenverkehrsreform sah vor, dass diese Fahrer bei der Erneuerung ihres Führerscheins automatisch die Berechtigung zum Fahren auf Autobahnen verlieren, ihr Fahrradius auf maximal 100 Kilometer um ihren Wohnort beschränkt und ein absolutes Alkoholverbot verhängt worden wäre. Auf ausdrücklichen Wunsch von Verkehrsminister Matteo Salvini wurden diese automatischen Beschränkungen, die andernfalls nur durch eine medizinische Kommission nach Prüfung der Krankenakten aufgehoben werden konnten, nun aus dem Entwurf gestrichen.

Statt drakonischer Fahrverbote setzt das italienische Ministerium für Infrastruktur und Verkehr künftig auf strengere Präventionsmaßnahmen. Die genauen neuen Verfahren stehen zwar noch nicht fest, doch zu den diskutierten Vorschlägen gehört die Einführung praktischer Fahrprüfungen für Fahrer ab 85 bzw. 90 Jahren. Nach geltendem Recht ist die Gültigkeit des Führerscheins in Italien bereits mit zunehmendem Alter deutlich reduziert; ab 80 Jahren muss er alle zwei Jahre erneuert werden, wobei ein ärztliches Attest über die körperliche und geistige Eignung obligatorisch ist. Dass manche ältere Fahrer noch immer äußerst rüstig (und unverschämt) sind, zeigt der jüngste Fall eines 85-Jährigen im Ausland, der bei einem illegalen Straßenrennen mit 177 km/h erwischt wurde.
Die umfassende Überarbeitung der italienischen Verkehrsregeln bringt weitere wichtige Änderungen mit sich, die alle Verkehrsteilnehmer betreffen. Deutlich strengere Strafen sind für die Nutzung von Smartphones während der Fahrt und sogar für Fußgänger beim Überqueren der Straße vorgesehen, während Freisprechtelefonieren weiterhin erlaubt bleibt. Gleichzeitig passt sich die Gesetzgebung der realen Verkehrssituation an: Rechtsüberholen ist nun offiziell erlaubt, und Motorradfahrer dürfen bei Stau auf dem Standstreifen fahren, was in der Praxis bereits häufig vorkommt. So behalten ältere Fahrer vorerst ihre Freiheit auf Autobahnen.
